Das RedaktionsAtelier - Texte, Fotos und Musik
Das RedaktionsAtelier - Texte, Fotos und Musik

Le Grand Duc

Le Grand Duc ist ein neues Projekt. Es ist die Art zu Reisen, wie ich sie schon einmal kurz nach dem Abitur praktiziert habe: Erst mit einer zum Campingwagen ausgebauten Citroen Acadiane, später mit einem Citroen 2 CV 6, in Frankreich liebevoll Dösch, in Deutschland einfach nur Ente genannt, und Zelt. Le Grand Duc entstand aus dem Verlust der unbeschwerten Reiselust während der Corona-Pandemie. Meine Frau und ich fühlen uns in Hotels, Pensionen oder anderen Absteigen nicht mehr gut aufgehoben. Le Grand Duc - französisch ausgesprochen [Lö Grong Dück] hat in uns die Reiselust neu entfacht. Nicht, dass es nur der natürliche, dem Alter geschuldete Umstieg vom Zelt aufs Wohnmobil ist. Nein, gar nicht. Aber es ergänzt und entfacht unsere Lust neu, reduziert zu reisen. Unsere Erlebnisse finden hier eine virtuelle Plattform.

Le Grand Duc

Le Grand Duc, das klingt nach einem Grand Seigneur, nach Hofstaat, nach Posen und Eleganz, pomadierten Perücken, ausladenden Knicksen, nach Mätressen und herumalbernden Hofschranzen. Ich könnte noch so weiter fabulieren. Aber nein, Le Grand Duc ist nichts dergleichen. Er hat nicht einmal etwas von Eleganz, schon gar nichts von französischer Noblesse. Le Grand Duc ist italienischen Ursprungs. Wichtig war hier nicht die Schönheit, sondern die reine Funktionalität.

Le Grand Duc ist unsere Huldigung an Freiheit und Abenteuer, die Liebe zu Natur und Unabhängigkeit, unsere Flucht vor Hotelhochburgen und Appartementhäusern. Le Grand Duc ist ein wahrlich Großer, sogar der Größte seiner Art auf sein Chassis bezogen. Duc, naja, der Ursprung ist banaler als gedacht. Duc ist unsere Abkürzung für Ducato. Ein echter Italiener also. Nur halten wir es weniger mit der italienischen als mehr mit der französischen Lebensart und Sprache. Und in der Tat, im Grand Duc steckt auch ein Franzose, genau genommen sind es sogar zwei Franzosen. Aber das bezieht sich nicht auf die baugleichen Varianten weiterer Automarken. Die Auflösung folgt im nächsten Absatz.

Jetzt ist es heraus. Le Grand Duc ist ein Transporter. Keiner für Waren, sondern ein Transporter für Träume und Traumziele. Umgerüstet zum Wohnmobil. Mit dem Nötigsten bestückt, um zu reisen, zu wohnen und sich wohlzufühlen. Le Grand Duc ist ein ausgewachsener Riese: 6,36 Meter lang, 2,61 Metern hoch und 2,05 Meter breit.

Grand ist auch seine Geschichte. Denn eines fällt in seinem geschwungenen Schriftzug auf: Am Ende findet sich ein herabgerutschtes „k“. Es ist die Hommage an meine ersten mobilen Begleiter. Mein erstes Auto war eine zum Campingwagen ausgebaute Citroen Akadiane. Leider fiel die Kastenente einem besoffenen Autofahrer zum Opfer, der ihr ungebremst ins Heck fuhr. Ihr Schrottwert brachte mich zu meinem zweiten Auto und meiner ersten großen Liebe auf vier Rädern. Mein mit blauen und grünen Streifen lackierter 2 CV 6, die Ente. Einzigartig in Lackierung und Laufleistung war sie 16 Jahre und 357.000 Kilometer mein Erkennungszeichen. In Anlehnung an diese legendäre Ente wurde auch der Duc mit den blauen und grünen Bändern verziert und trägt damit die Fahne weiter. Legendär? Schon! Immerhin ist meine Ente in einem Film und einem Buch zum 10. ICCCR Welttreffen in Clermont-Ferrand im August 1995 verewigt. Die geleerte Flasche Côte du Rhone mit dem Emblem der Veranstaltung verstaubt seither mit der Erinnerung an ein grandioses Ententreffen. Ach ja, das abgerutschte „k“: Es ist der Hinweis auf die Ente, englisch duck, auch wenn sie nur in Deutschland aufgrund der Einzelradaufhängung und extremen Kurvenlage „Ente“ genannt wurde.

 

Der lange Schatten der Ente verbirgt aber noch ein anderes Tier. Grand Duc ist im Französischen der Uhu. Von der Ente zur Eule – biologisch vielleicht ein langer Weg, gedanklich nur ein kleiner Sprung und ein breites Lächeln.

 

Es ist die Frage dieser Fragen, wer wen in den Schatten stellt: der Uhu die Ente oder die Ente den Uhu. Die Ente war der Anfang, der Uhu ist die Fortsetzung. Voilà!

 

Ab sofort ist Le Grand Duc en route, mit grünem Band um die Taille und blauem Band um die Stirn. Die Geschichten und Erfahrungen mit diesem Ungetüm gibt es hier zu lesen.

 

Le Grand Duc

Am Anfang war es nur ein Ducato

10. Mai 2022

Für diesen Artikel sind Kommentare deaktiviert.

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© 2022 Der Pressewessel - Texte, Fotos und Musik

Anrufen

E-Mail